Montagsvortrag am 6. November 2017: Narren, Noten und Neutrinos

Referent: Dr. Christian Spiering, DESY in Zeuthen (bei Berlin)

Die Astroteilchenphysik ist ein Grenzgebiet zwischen Teilchenphysik, Astrophysik und Kosmologie. Seit den achtziger Jahren arbeitet Christian Spiering auf dem Gebiet der Neutrinoastronomie. Er war federführend an großen internationalen Neutrinoexperimenten beteiligt. Mit dem Neutrinoteleskop Ice Cube konnten Forscher 2013 die ersten Neutrinos aus kosmischen Beschleunigungsprozessen nachweisen. Spiering ist heute Koordinator des weltweiten Neutrinonetzwerkes GNN (Global Neutrino Network) und einer der leitenden Wissenschaftler des Neutrinoteleskops "IceCube" am geografischen Südpol. Er zeichnet das schillernde Porträt des Neutrinos, berichtet von der Arbeit am Südpol und erklärt die Ergebnisse von IceCube.

Neutrinos sind die exotischsten aller bekannten Elementarteilchen – und außerdem die einzigen Teilchen, in deren Zusammenhang mittlerweile vier Nobelpreise verliehen wurden. Nicht nur Physiker, sondern auch Schriftsteller, Musiker und Filmemacher fühlten sich durch diese „Geisterteilchen“ inspiriert, ganz zu schweigen von zweifelhaften Liebhabern esoterischer Ideen.

Obwohl Neutrinos schon 1930 vorhergesagt wurden, gelang ihr Nachweis erst 1956. Niemand konnte damals ahnen, dass sie sich zu einzigartigen Boten kosmischer Ereignisse mausern würden, mit deren Hilfe man – anders als mit Licht, Radiowellen, Infrarot- oder Röntgen- Strahlung – Informationen aus dem Innern der Sonne oder aus der Umgebung Schwarzer Löcher erhalten kann.