Montagsvortrag: Physik und Astronomie in Star Trek Enterprise

Bericht zum Vortrag "Physik und Astronomie in Star Trek Enterprise"
von Professor Olaf Kretzer, Leiter des Planetariums und der Volkshochschule Suhl
05.09.2016, 19:00 Uhr, Astronomiemuseum der Sternwarte Sonneberg
Autor: Peter Kroll, Astronomiemuseum e.V.

Beam me up, Scotty!

Diesem Motto folgten mehr als 60 Hörer ins Astronomiemuseum zum ersten Montagsvortrag nach der Sommerpause.

Montagsvortrag von Olaf Kretzer
Montagsvortrag von Olaf Kretzer

Professor Olaf Kretzer, Leiter des Planetariums und der Volkshochschule Suhl, lud zu "Physik und Astrophysik in StarTrek Enterprise". Er kannte sich aus in diesem Milieu, das wurde sehr schnell klar. Schließlich hatte ihn diese Film- und Fernseh-Serie, die vor wenigen Tagen ihre fünfzigste Erstaustrahlung in Kanada und den USA feierte, von Beginn an fasziniert.

Vor 50 Jahren, das bedeutet Mitte der 1960er Jahre, waren die ersten Satelliten schon ins Weltall geschossen worden, Amerikaner und Russen standen im Wettstreit um die erste bemannte Mondlandung. Einsteins Relativitätstheorie war inzwischen anerkannte Physik, es war klar, wie groß das Weltall wirklich ist, der Laser war erfunden, und auch die ersten Computer, riesengroße Maschinen mit einer Rechenleistung, über die jedes heutige Handy nur lachen kann, erblickten das Licht. In diesem historischen Kontext blühte die Fantasie, was 100 Jahre später wohl möglich sein würde.

Die Macher der StarTrek-Filme waren sich im klaren darüber, das eine auf futuristische Technik gebürstete Serie einerseits im Rahmen des physikalisch-technisch Machbaren und weitgehend in sich logisch bleiben musste, andererseits aber auch physikalisch gegebene Grenzen irgendwie überwinden musste, wenn man erlebbare Raumfahrtabenteuer zwischen den Sternen unserer Galaxis zeigen wollte. Diesen Spagat hatte Olaf Kretzer thematisiert. Kann man überhaupt mit Warp-Geschwindigkeit schneller als Licht reisen, ist das Beamen eine realistische Übertragungsmöglichkeit?

Olaf Kretzer
Olaf Kretzer

Um es vorweg zu nehmen, trotz durchaus einfallsreichen, naturwissenschaftlich plausiblen Lösungen, strotzt die Physik von StarTrek vor physikalischen Widersprüchen. Selbst wenn, beispielsweise, das viereinhalb Millionen Tonnen schwere Raumschiff in kürzester Zeit auf extrem hohe Geschwindigkeit beschleunigt werden könnte, so wäre dafür ungeheure Energiemengen nötig, die selbst durch die gegenseitige Vernichtung von mitgeführter Antimaterie und Materie kaum erreicht werden können. Es bleibt auch das Problem der Beschleunigung, die ein Vieltausendfaches der Erdanziehungskraft erreichen würde. Da haben sich die Filme-Macher zwar den "Trägheitsdämpfer" einfallen lassen, aber über dessen Funktionsweise schweigt man sich aus, es sei irgendwas mit künstlicher Gravitation. Das dürfte Physikern Schweis auf die Stirn treiben.

Immerhin gibt es inzwischen ernst zu nehmende wissenschaftliche Artikel, die sich mit dem überlichtschnellen Warp-Antrieb befassen. Der Astrophysiker Miguel Alcubierre hat 1994 in Potsdam eine mit den Gleichungen von Einstein verträgliche Lösung gefunden, nach der eine spezielle geformte Raumkrümmung solch schnelle Reisen quasi in einer Raum-Zeit-Blase erlauben würde. Allerdings, und das wird meistens verschwiegen, setzt diese Lösung eine bisher völlig unbekannte Form von Materie voraus, ein Stoff, der "negative Energiedichte" hat. Kein Mensch weiß, nicht einmal im Ansatz, was das ein soll.

Auch dem Beamen sind die Wissenschaftler inzwischen scheinbar näher gerückt. Dem Wiener Quantenphysiker Anton Zeilinger ist es geglückt, sogenannte verschränkte Zustände von Lichtteilchen oder Elektronen über viele Kilometer zu übertragen. Doch bis zum "echten Beamen" ist es noch weit, denn die Zahl der Atome eines Menschen übersteigt dessen, was heute möglich ist, um 25 Zehnerpotenzen! Ob es je möglich ist, bleibt fraglich.

Dennoch, viele der jungen und reiferen Trekkies lassen da nichts anbrennen, es ist der weitergesponnene Traum vom Fliegen, und, Hand auf's Herz, Inspiration ist doch etwas Tolles. Es lässt uns hoffen, ist Impuls und Motivation für uns, sich mit realer Technik und Naturwissenschaft auseinanderzusetzen. Echte technische Lösungen funktionieren nämlich tatsächlich!

Übrigens: "Beam me up, Scotty!" ist mit genau diesen Worten wohl nie gesagt worden, aber es machte die StarTrek-Serie, ob mit oder ohne Fortsetzung, unsterblich. Man darf gespannt sein, was noch folgt.

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