Vortrag: Tiefe Blicke ins Leere - die Hubble Deep Fields
Die sogenannten Hubble Deep Fields – extrem tiefe Beobachtungen in scheinbar „leeren“ Himmelsregionen – gehören zu den einflussreichsten Datensätzen der modernen Astronomie. Durch sehr lange Belichtungszeiten wurden dort tausende ferne Galaxien sichtbar, viele davon aus Epochen, in denen das Universum noch jung war. Diese Aufnahmen haben unser Bild davon geprägt, wie Galaxien entstehen, wachsen und sich im Laufe kosmischer Zeit verändern.
Im Vortrag wird erläutert, warum Deep-Field-Beobachtungen wissenschaftlich so wertvoll sind: Sie liefern eine Art „Zeitachse“ der Galaxienentwicklung, machen seltene und sehr lichtschwache Objekte zugänglich und erlauben statistische Aussagen darüber, welche Galaxientypen zu welchen Zeiten dominieren. Ausgehend von der historischen Entwicklung der extragalaktischen Forschung wird gezeigt, wie sich zentrale Fragestellungen – von den ersten Galaxienpopulationen bis zu den Prozessen der Sternentstehung und der Rolle supermassereicher Schwarzer Löcher – mit immer besseren Instrumenten konkretisieren ließen.
Ein Schwerpunkt liegt auf den neuesten Ergebnissen des James-Webb-Weltraumteleskops, das die Deep-Field-Idee in den Infrarotbereich erweitert und damit noch weiter in die Frühzeit des Universums blickt. Abschließend werden eigene Arbeiten vorgestellt, die mithilfe des Integralfeldspektrografen MUSE am Very Large Telescope (VLT) in Chile die Hubble Deep Fields dreidimensional untersuchen: Neben Bildern liefert MUSE Spektren für viele Punkte im Gesichtsfeld – und damit Informationen zu Entfernungen, Gas, Sternentstehung und physikalischen Bedingungen in und um ferne Galaxien.
Zur Vortragenden
Dr. Tanya Urrutia ist Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP). Sie arbeitet zur Galaxienentwicklung und untersucht insbesondere, wie aktive Galaxienkerne (AGN) ihre Wirtsgalaxien beeinflussen (Wechselspiel aus „Feeding“ und „Feedback“) – über verschiedene kosmische Epochen hinweg. Methodisch ist sie eine beobachtende Astronomin mit Erfahrung von Radiodaten bis zu harten Röntgendaten; aktuell liegt ihr Schwerpunkt auf optischer 3D-Spektroskopie und Integralfeldspektrografie. Sie ist u. a. im MUSE-Konsortium (deputy-PI des MUSE-Wide Surveys) sowie in den Konsortien eROSITA und 4MOST aktiv und arbeitet an der frühen Entwicklung des Instruments BlueMUSE mit.