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Pressemeldungen

des Astronomiemuseums

100 Jahre Sternwarte Sonneberg

Sonneberg, den

29. Dezember 2025

100 Jahre Sternwarte Sonneberg
von Dr. Peter Kroll (Leiter der Sternwarte Sonneberg)

Die mit 635 Meter über dem Meer einst höchstgelegene Sternwarte Deutschlands blickt am 28.12.2025 auf einhundert Jahre Gründung zurück. Sie verdankt ihre Existenz dem unbändigen Willen und Engagement des Sonneberger Cuno Hoffmeister. Als ältester Sohn einer Puppenfabrikantenfamilie sah sein Vater für ihn die Fortführung des elterlichen Betriebs vor, doch Cuno, geboren am 2. Februar 1892, hatte andere Pläne. Beeindruckt vom funkelnden Sternhimmel bei einer nächtlichen Wanderung mit Großvater und Bruder Wilhelm zündete in ihm ein Funken, der erst mit seinem Tode am 2. Januar 1968 erlosch. Rasch machte sich Cuno einen Namen in der Fachwelt. Als während des Ersten Weltkriegs an der Sternwarte Bamberg eine Assistentenstelle vakant wurde und der dortige Direktor Cuno einlud, zögerte dieser nicht lange. Die Bamberger Zeit wurde prägend für das spätere wissenschaftliche Profil der Sternwarte: die Veränderlichen Sterne – jene Leuchtpunkte am Himmel, die ihre Helligkeit über Tage, Wochen, Monate und Jahre ändern. Galten Sie vor einhundert Jahren als Exoten, wissen wir heute, dass es oft instabile Lebensphasen bis hin zu gigantischen Explosionen eines Sterns sind oder in Wirklichkeit zwei Sterne einander umkreisen und regelmäßig der eine den anderen von der Erde aus gesehen abdeckt.

Mit dem festen Vorsatz eine eigene Sternwarte errichten zu wollen kam Hoffmeister nach Ende des Krieges nach Sonneberg zurück. Zunächst war es ein Bretterverschlag im Hof, später das umgebaute, mit Klappen versehene Dach des Elternhauses, das ihm als Beobachtungsstation diente. Erste Fotografien des Sternhimmels entstanden. Doch der Standort wurde immer ungünstiger. Über Gebietstausch konnte ein Grundstück auf dem Erbisbühl am Rande des Ortsteils Neufang erworben werden. Mit finanzieller Unterstützung durch das Weimarer Volksbildungsministerium und die Stadt Sonneberg konnte zwischen August und Dezember 1925 ein kleines Gebäude mit Kuppel errichtet werden. Das dafür vorgesehene Teleskop hatte Hoffmeister mit Unterstützung der Zeiss-Stiftung bereits zuvor erwerben können.

Mit der Eröffnung der Sternwarte am 28.12.1925 konnte Hoffmeister nun ein systematisches wissenschaftliches Beobachtungsprogramm zur Entdeckung Veränderlicher Sterne starten. Durch wiederholte Aufnahmen der gleichen Himmelsareale entdeckt er immer mehr dieser Objekte, am Ende seines Lebens werden es fast 10.000 sein. Mit dem Optiker Rudolf Brandt stellte Hoffmeister seinen ersten Assistenten ein, viele weitere folgten, unter anderem Paul Ahnert, später bekannt geworden durch sein astronomisches Jahrbuch, oder Nikolaus B. Richter, späterer Gründungsdirektor der Tautenburger Sternwarte. Die Anlage auf dem Erbisbühl wuchs auch baulich, kleinere Hütten mit abfahrbarem Dach und darunter befindlichen Teleskopen kamen hinzu.

Nach dem zweiten Weltkrieg mit eingeschränker Beobachtungstätigkeit wurden einige Teleskope als Reparationsleistung in die Sowjetunion überführt, darunter das damals größte Teleskop – für Hoffmeister war es der schwärzeste Tag seines Lebens. Doch seit 1940 Professor an der Universität Jena und in Fachkreisen inzwischen einer der renommiertesten Astronomen Deutschlands gelang es ihm die Sternwarte als Akademie-Institut zu etablieren. Mit dem Ende der 1940er Jahre begann die Blütezeit der Einrichtung. Zahlreiche Gebäude wurden bis in die 1970er errichtet. Insgesamt sieben Kuppeln mit entsprechenden Teleskopen und die Himmelsüberwachungsanlage ermöglichten die systematische Erfassung variabler Objekte. Dadurch wuchs die Sammlung fotografischer Aufnahmen des Nachthimmels. Heute ist sie die weltweit zweitgrößte ihrer Art. Sogar Aufnahmen des südlichen Sternhimmels finden sich hier, angefertig von Hoffmeister und seiner Frau Adelheid während mehrerer Forschungsreisen nach Namibia.

Im Zuge der Akademiereform 1967 verlor die Sternwarte ihre Eigenständigkeit und wurde in das neue, von Potsdam geleitete Zentralinstitut für Astrophysik integriert. Hoffmeister wurde seines Direktorenpostens enthoben, er starb kurze Zeit später. Die Mitarbeiter der Sternwarte setzten sein Werk fort, ergänzt durch aktuelle Forschungsthemen, wie etwa der Untersuchung rätselhafter Satelliten-Beobachtungen, bei denen sich das Sonneberger Archiv als wertvoller Schatz entpuppte.

Um die Wendezeit waren 35 Personen angestellt, darunter Wissenschaftler, Techniker, Verwaltungspersonal. Mit dem Fall der Berliner Mauer wurden alle Akademie-Institute evaluiert und unter die Hoheit der Bundesländer gestellt. Thüringen sah sich mit „zu viel“ Astronomie konfrontiert, erklärte die Universität Jena und das Tautenburger Institut zu Schwerpunkten und beschloss die Schließung der Sternwarte Sonneberg. Hans-Jürgen Bräuer, damaliger Leiter der Sternwarte und Klaus Hoffmeister, ein Neffe Cunos, initiierten die Gründung des „Freunde der Sternwarte Sonneberg e.V.“ und überzeugten Stadt und Landkreis Sonneberg, die Sternwarte nicht sterben zu lassen. Der kommunale „Zweckverband Sternwarte Sonneberg“ wurde gegründet und übernahm mit einer Anschubfinanzierung aus Thüringen und sogar aus Bayern am 1.10.1995 die Geschäfte. Die Himmelsüberwachung sollte fortgeführt und in der Sternwarte ein Museum für die Öffentlichkeit eingerichtet werden. Als Leiterin der auf fünf Mitarbeiter geschrumpften Belegschaft wurde die Astronomin Constanze la Dous gewonnen, die zuvor bei NASA und ESA gearbeitet hatte. Mit Hochdruck und breiter Unterstützung der TU Ilmenau wurde an der Realisierung eines digitalen, weltweiten Beobachtungprogramms, genannt ASPA, gearbeitet. Doch die Gutachter erkannten nicht das Potential des Projekts – heute gibt es ähnliche Campagnen weltweit – und lehnten es ab. Ein verzweifelter Versuch über die Weltausstellung 2000 ASPA aus der Taufe zu heben, misslang trotz externer Sponsoren mangels Landesunterstützung. Frustriert verließ la Dous Anfang 2000 die Sternwarte. Als der Autor dieser Zeilen danach die Leitung übernahm, war auch ihm kein Glück beschieden. Ein deutsches Satellitenprojekt, bei dem Sonneberg das Datenzentrum hätte werden können, wurde aus Kostengründen abgesagt.

Mit dem Hinweis des Landesverwaltungsamtes, dass Wissenschaft zu finanzieren keine Kommunalaufgabe sei, geriet der Zweckverband 2003 in Schwierigkeiten. Eine Lösung bot sich an, in dem die als Spin-Off Ende 2000 gegründete kleine IT-Firma „4pi Systeme – Gesellschaft für Astronomie und Informationstechnologie mbH“ die Sternwarte ab 2004 in Erbpacht übernahm. So konnte die Sternwarte am Leben erhalten und der Betrieb des Museums mit kommunaler Unterstützung fortgeführt werden. Die Firma startete die Digitalisierung des Fotoplattenarchivs und setzte wissenschaftliche Projekte in kleinem Rahmen fort. Die Erhaltung der seit 1991 unter Denkmalschutz stehenden Anlage erfordert reichliche finanzielle Mittel, die zusätzlich seit einigen Jahren durch Bund, Land, Deutsche Stiftung Denkmalschutz und Zweckverband aufgebracht werden. Seit 2016 kümmert sich der Astronomiemuseum e.V. um den Betrieb des Museums.

Die weitere Zukunft der Sternwarte ist offen. Die Hoffnung ruht darauf, dass neben der erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit des Museums das Standbein Wissenschaft wieder staatlich finanziert wird.

Das Astronomiemuseum der Sternwarte Sonneberg hat Dienstag bis Sonntag jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet und zeigt seit dem 28.12.2025 die Sonderausstellung „Von den Anfängen de Sternwarte Sonneberg“.

 

Für weitere Informationen und Anfragen wenden Sie sich bitte an:
Sternwarte Sonneberg
Dr. Peter Kroll
📞 Telefon: +49 170 8915217
📧 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
🌐 Website: https://astronomiemuseum.de


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